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Autonom ist noch nicht einmal der Mond

Eine Ausstellung in der ACC Galerie Weimar von Motz und REINIGUNGSGESELLSCHAFT

ARTiT, Arts Initiative Tokyo (AIT), Peter Bellars, CommandN, Clean Brothers, Hiroshi Fuji, Makoto Ishiwata, P3 art and environment, TANY, Noboru Tsubaki, Video Act!, Videoart Center Tokyo, Kenji Yanobe

Basierend auf der künstlerischen Feldstudie der Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT Autonomie und politisches Handeln - zur Modellfunktion kooperativer Strukturen in der zeitgenössischen japanischen Kunst werden künstlerische Positionen aus Japan vorgestellt.

 

ARTiT ist das erste bilinguale (japanisch/englische) Magazin zur zeitgenössischen Kunst in Japan. Dessen Herausgeber ist der Journalist und Netzaktivist Tetsuya Ozaki, der daneben auch das Webzine www.realtokyo.co.jp betreibt.

Die Arts Initiative Tokyo (AIT) ist eine nichtkommerzielle Plattform mit Bildungsseminaren für zeitgenössische Kunst, die breiten Schichten zugänglicher gemacht und in einen gesellschaftlich relevanten, oft sozialen Zusammenhang gerückt wird. Sechs junge Kurator/inn/en und Kulturorganisator/inn/en bilden mit ihrem Wissensangebot, das an konventionellen Kunstschulen nicht unterrichtet wird, den Kern dieser ersten Initiative ihrer Art in Tokio.

Der in Tokio lebende Brite Peter Bellars bearbeitet mit kritischem Blick und einem Schuss englischen Humors die Phänomene der japanischen Gesellschaft. Par of the Course ist eine spielerische Kritik am japanischen Bildungssystem, die Bellars mit einer Minigolfanlage äußert, auf der Ausstellungsbesucher zum Spielen eingeladen sind und eigene Überlegungen anstellen können.

Das Projekt TRaP (Kürzel für Tokyo Rabbit Paradise) der unabhängigen Künstlerinitiative CommandN stellt Videoarbeiten von 46 Tokioter Künstler/inne/n vor. Jenseits der Kaninchenstall-Tristesse, mit der Tokio üblicherweise assoziiert wird, zeigen die Künstler/innen, was eine der reichsten Städte der Erde trotz ihrer Enge lebbar und zu einem der aufregendsten und interessantesten Orte macht.

Clean Brothers ist eine Gruppe von Reinigungsaktivistinnen, die durch das von ihnen entwickelte System vorhandenen Raum als direkte Form der Entlohnung für Reinigungsarbeiten (sowie Hausmeisterservice und Verwaltung, Kunsttransporte sowie Ausstellungsaufbau und -aufsicht) nutzen können. Das ermöglicht es ihnen, künstlerisch zu arbeiten und auszustellen, ohne von einer öffentlichen oder privaten Finanzierung abhängig zu sein.

Zu den jüngsten Projekten von Hiroshi Fuji, die sich mit dem spätkapitalistischen Wertesystem befassen, zählt die so genannte Vinyl Plastics Connection. Zunächst sammelt, trennt und reinigt er Abfallprodukte aus dem Haushalt wie Imbissverpackungen, Plastikflaschen, Styroporböden etc. Später recycelt Fuji diese Materialien in seinen kreativen Projekten.

In Makoto Ishiwatas interaktiver Raumkabine Vacuum Package wird der Konsument selbst zur Ware, kann der Besucher hautnah miterleben, wie er selbst vakuumverpackt wird. In einer zweiten Installation I am a target, die aus einer Zielscheibenfigur und eingebauter Videokamera sowie einer Waffe mit Laserpointer und Sichtmaske besteht, wird der Schießstand zur Selbstschussanlage bzw. der Besucher als Schütze zum Opfer seiner selbst.

P3 Art and Environment ist ein Recherche- und Produktionsinstitut, das sich in den Bereichen Kunst und Umwelt zu Themen wie "Bewusstsein und Landschaft" engagiert. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Künstler/inne/n produziert P3 z. B. Installationen aus immateriellen Stoffen, wie Licht, Sound und Information, die die dynamischen Prozesse zwischen Menschen und deren Umwelt/Gesellschaft untersuchen.

REINIGUNGSGESELLSCHAFT führte unter der Überschrift "Autonomie und politisches Handeln" im Oktober/November 2003 eine Feldstudie zu zeitgenössischen Initiativen und Projekten aus Japan durch, unter ihnen Künstlerkooperativen, fiktive Künstlerunternehmen und netzwerkende Konzeptkünstler/innen. Der entstandene 30minütige Videofilm beschreibt Auswirkungen von steigendem Ökonomisierungsdruck auf autonome Organisations- und Produktionsformen im Bereich der bildenden Kunst und ist die Inhaltliche Klammer der Ausstellung.

TANYs Arbeiten setzen sich kritisch mit der Geschlechterrolle von Frauen im patriarchalisch dominierten Japan auseinander. In ihrer Arbeit "She loves sex, she hates sex" berichten Frauen (Klavierlehrerin, Callgirl, Volontärin oder Sekretärin), alle gedoubelt von ihr selbst, "was sie schon immer über Sex wissen wollten".

Der "radikale und aktive Träumer" Noboru Tsubaki ist bekannt für sein UN Application Project (UNO-Auftragsprojekt) als eine Art schnelle Eingreiftruppe bzw. Einheit von Aktivisten und Antriebsmotor zur Lösung von Problemen (der quasi als UNO-Ersatz im Eigenauftrag zum Rotieren gebracht wird). Die Ausstellung zeigt RADIKAL DIALOG, bestehend aus zwei filmen, Gold, 2004, 16min 58sec und
Doll, 2004, 16min 58sec, sowie 20 poster mit Portraits und Interviewstatements, 15x21cm, 2004.

Mit ihrem Engagement für die Vernetzung von Medienaktivist/inn/en und die internationale Verbreitung unabhängiger japanischer Videoproduktionen, die von den TV-Medienkonzernen gemieden werden, steht Video Act! in Japan allein. Protagonist Yutaka Tsuchiyas neuer Film Peep "TV" Show dreht sich um ein Gothic-Mädchen und einen Internet-Voyeur, die in der Post-9-11-Welt Tokios, die von Überwachung und Paranoia bestimmt ist, aufeinander treffen.

Die unabhängige Non-Profit-Künstlerinitiative Video Art Center Tokyo (VCTokyo) ist ein alternatives Netzwerk, eine Kommunikationsplattform und ein Ansprechpartner für Videoproduktionen sowie kritische, mediale Gegenposition zur gegenwärtigen Erlebnisgesellschaft. Sie vereint vor allem Video- und Medienkünstler/innen.

Kenji Yanobe, der elf Jahre nach der Reaktorkatastrophe - bekleidet mit dem von ihm entwickelten Schutzanzug Atom Suit gegen radioaktive Strahlung - die Ruinen Tschernobyls besuchte, nutzte denselben Atomanzug für sein Tower of the Sun Hijacking Project, als er den Sonnenturm des EXPO-1970-Weltausstellungsgeländes in Osaka bestieg und am eigenen Leib die physische Erfahrung des "Augapfel-Mannes" durchmachte, der 1970 auf der Spitze des Turms in einen siebentägigen Hungerstreik trat.